Horüti - von der Abfalldeponie zur Naturperle
Die Horüti im Norden der Stadt Luzern – zwischen Renggloch und Malters gelegen – ist ein Glücksfall. Wo zwischen 1965 und 1979 Kies abgebaut und seit 1966 wieder Material deponiert wird, darf in den kommenden Jahren wieder mehr Natur entstehen. Mit dem Erwerb von 8,3 Hektaren Land kann Pro Natura Luzern ein neues, grossflächiges Schutzgebiet schaffen. Es ist einer der grössten Landkäufe in der Geschichte von Pro Natura Luzern im Mittelland.
Dass dieses Projekt Realität werden kann, ist angesichts der Gesamtkosten für Kauf und Neugestaltung von über 1,1 Millionen Franken nicht selbstverständlich. Ein grosses Dankeschön an alle, die dies möglich machen!
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Thomas Röösli
- Das vorhandene Amphibienlaichgebiet in der Horüti wird mit Weihern, Tümpeln und Feuchtflächen erweitert. Mit dieser geplanten Naturschutzzone entsteht ein Gewinn weit über das Projektgebiet hinaus.
Zu den Zielarten des Projekts Horüti gehören unter anderem Baumfalke, Feuerlibelle, Barrenringelnatter und Gelbbauchunke.
Nach wechselvollen Entscheiden und intensiven Auseinandersetzungen schlossen Pro Natura Luzern und Pro Natura 1995 eine wegweisende Vereinbarung mit den damaligen Grundeigentümern: Nach Abschluss der Deponie muss ein Teil als Naturschutzzone gesichert und gestaltet werden, damit die wertvollen Naturwerte erhalten werden können.
Nach über zweijährigen Verhandlungen konnte nun ein noch grösserer Erfolg erzielt werden: Pro Natura Luzern und Pro Natura können die ganze Fläche kaufen und bestimmen damit Rekultivierung und künftigen Unterhalt. Damit kann die vorgesehene Naturschutzzone auf rund 3,6 Hektaren und damit auf fast die doppelte Fläche erweitert werden – ein bedeutender Schritt für den langfristigen Schutz von Amphibien und anderen spezialisierten Arten.
Die Horüti grenzt im Nordwesten an das Schutzgebiet Littauer Schachen. Damit können sich beide Flächen zu einem zusammenhängenden, grossräumigen Naturgebiet entwickeln. Solche Vernetzungen sind entscheidend, damit Tier- und Pflanzenarten stabile Populationen aufbauen und auf Umweltveränderungen reagieren zu können. Mit der Horüti entsteht ein Gewinn weit über das Projektgebiet hinaus.
Herzstück des Projekts ist die neue Weiherlandschaft, die ab 2026 bis 2030 parallel zur Rekultivierung schrittweise gestaltet wird. Dass die Horüti für den Naturschutz von besonderer Bedeutung ist, zeigte schon ihre Aufnahme ins Bundesinventar der Amphibienlaichgebiete von nationaler Bedeutung im Jahr 2001. Ausschlaggebend dafür war vor allem das grosse Vorkommen der gefährdeten Gelbbauchunke. Damals kam auch noch die ebenso gefährdete Geburtshelferkröte vor, die sonnige, offene Lebensräume mit einer Kombination aus Wasser- und Landlebensräumen benötigt. Die nächsten aktuellen Vorkommen liegen auf dem Krienser Sonnenberg in rund 1,5 Kilometer Entfernung. Es ist gut möglich, dass die Art dank den Aufwertungen wieder zurückkommt, wie auch ein Einzelnachweis im Jahre 2022 hoffen lässt.
Geplant ist das Amphibienlaichgebiet mit Weihern, Tümpeln und Feuchtflächen zu erweitern. Ebenso sollen offene Ruderalzonen, zahlreiche Kleinstrukturen, strukturreiche Waldränder und extensiv gepflegte Wiesen erstellt werden. Diese Vielfalt kommt zahlreichen spezialisierten Arten zugute, die auf dynamische, sonnige und/oder strukturreiche Lebensräume angewiesen sind und die in unserer intensiv genutzten Landschaft immer seltener werden. Zu den Zielarten gehören unter anderem Gelbbauchunke, Baumfalke, Barrenringelnatter und Feuerlibelle.
Naturschutz beginnt mit dem Erwerb eines Gebiets und hängt von der langfristigen Pflege ab. Als Eigentümerin kann Pro Natura Luzern das Gebiet nun dauerhaft sichern. Die Planung der Aufwertung und die zukünftige Pflege geschieht in enger und wertvoller Zusammenarbeit mit der Stadt Luzern, die das Projekt von Beginn an massgeblich unterstützt.
Dass dieses Projekt Realität werden kann, ist angesichts der Gesamtkosten für Kauf und Neugestaltung von über 1,1 Millionen Franken nicht selbstverständlich. Der erste grosse Schritt, der Landerwerb, konnte dank dem grossartigen Engagement der Mitglieder des Club 500, privater Spender:innen sowie Beiträgen von Pro Natura Luzern und Pro Natura finanziert werden. Der Kanton Luzern unterstützte diesen wichtigen Schritt ebenfalls mit 50’000 Franken.
Für die nun folgende Phase, die Gestaltung der wertvollen Naturlandschaft, ist die Finanzierung ebenfalls auf gutem Weg. Hier gebührt der Stadt Luzern ein besonderer Dank: Sie trägt nicht nur seit Jahren die Kosten für die ökologische Fachplanung, sondern beteiligt sich auch mit einer Eigenleistung von 100’000 Franken an der Umsetzung. Ebenso engagiert sich der Deponiebetreiber, die Lötscher Tiefbau AG, substanziell an den Kosten für die Aufwertung. Die gute und konstruktive Zusammenarbeit mit allen Beteiligten, inklusive der bisherigen Grundeigentümer, ist der Schlüssel zu diesem Erfolg. Ein grosses Dankeschön an alle, die dies möglich machen!