Programm der 7. Zentralschweizer Naturtagung
Ab 12.00 Uhr
Kaffee und Kuchen
Büchertisch und Informationen über Vögel und Naturschutz
Von 9 bis 13 Uhr ist zudem die Bibliothek der Vogelwarte geöffnet
13.00 – 13.10 Uhr
Begrüssung
Philipp Christen, Albert Koechlin Stiftung (AKS)
13.10 – 13.50 Uhr
Im Spannungsfeld von fixen Vorgaben, steigender Dynamik und akzentuierten Herausforderungen
Adrian Zangger, Hintermann & Weber AG
Naturschutz soll Natur erhalten. Doch welcher Zustand soll genau erreicht und langfristig gesichert werden? Angesichts der beschränkten Fläche für gezielten Naturschutz können wir den natürlichen Prozessen nicht überall freien Lauf lassen. Ohne Nutzung oder Pflegeeingriffe würden wertvolle Lebensräume durch Sukzession ihren speziellen Wert verlieren (z.B. Verwaldung). Das gilt umso mehr, als viele heutige Schutzflächen wie Trockenwiesen oder Flachmoore erst durch frühere Nutzungen entstanden sind. Gleichzeitig verstärken sich Einflussfaktoren wie invasive Arten, Klimawandel und Nutzungsansprüche. Auch die finanziellen Mittel setzen Grenzen. Das Referat beleuchtet dieses Spannungsfeld und zeigt auf, dass Naturschutz heute vor allem ein geschicktes Management bedeutet, das betriebswirtschaftliche Fragen zu Zielen, Aufwand und Ertrag beantworten muss.
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Albert Krebs
13.50 – 14.10 Uhr
Wildheu: lebendige Tradition und wertvoller Lebensraum
Laura Schuler, Abteilung Natur und Landschaft, Kanton
Die Wildheunutzung ist eine Besonderheit der Alpen, die heute vor allem in der Innerschweiz und im Berner Oberland aktiv gepflegt wird. Regelmässig genutzte Wildheuflächen sind nicht nur Hotspots der Artenvielfalt, sondern auch lebendiges Brauchtum. Der Kanton Uri trägt hierbei eine besondere Verantwortung, da auf seinem Gebiet zahlreiche dieser ökologisch wertvollen Flächen liegen. Ihre Bewirtschaftung an oft extremen Hanglagen ist enorm aufwendig und stellt eine grosse körperliche Herausforderung dar. Um diese traditionelle und für die Biodiversität wichtige Pflege langfristig zu sichern, unterstützt der Kanton die Wildheuer:innen mit einem gezielten Förderprogramm. Der Vortrag erläutert die Bedeutung der Wildheunutzung, stellt das kantonale Abgeltungssystem vor und zeigt die aktuellen Herausforderungen für diese einzigartige Kulturlandschaft auf.
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Manuela Gili/Schwyz Tourismus
14.10 – 14.30 Uhr
Extensive kontrollierte Beweidung von Natur(schutz)gebieten
Christoph Flory, Pro Natura Aargau
Die Natur ist kein Pflegefall. Oft ist es falsch verstandene Liebe, wenn wir mit detaillierten Pflegeplänen Naturschutzgebiete mit viel Manpower und Maschineneinsatz künstlich unterhalten. Damit versuchen wir eine mosaikartig genutzte Kulturlandschaft des 19. Jahrhunderts zu simulieren. Ursprünglich haben Grossherbivoren wie Wisente, Auerochsen und Elche die Wälder aufgelichtet und offene Lebensräume geschaffen. Daher ist es naheliegend, robuste Nutztierrassen gezielt und kontrolliert zur Beweidung von naturnahen Gebieten einzusetzen. So wird aus Pflege und Unterhalt eine nachhaltige Bewirtschaftung. In gewissen Regionen von Süd- und Osteuropa funktioniert dieses Zusammenspiel der Natur mit landwirtschaftlicher Produktion noch. Wir müssen das Rad also nicht neu erfinden, sondern können von diesen Beispielen lernen.
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Christoph Flory
14.30 – 14.50 Uhr
Gemeinsam pflegen und ernten: Wenn Landwirtschaft und Naturschutz zusammenarbeiten
Hubert Schürmann, Landwirt im Nebenerwerb
Zwischen Erntefenstern, Pflegeauflagen und Preisdruck bleibt im landwirtschaftlichen Alltag oft wenig Platz für zusätzliche Aufgaben. Doch gerade Arbeiten wie die Pflege von Wiesen, Säumen und Kleinstrukturen sind entscheidend für den Erhalt vielfältiger Lebensräume. Wie lässt sich diese Verantwortung tragen, ohne Betriebe zu überlasten? Der Referent gibt Einblick in seine Betriebspraxis und zeigt auf, wie er die Zusammenarbeit mit Freiwilligen organisiert und wie ein Miteinander gelingen kann. Diskutiert wird, welche Tätigkeiten sich für externe Mitarbeit eignen, wie Einsätze vorbereitet werden und wo Grenzen nötig sind. Ziel ist eine Zusammenarbeit, die Verständnis schafft, ökologische Wirkung erzielt und landwirtschaftliche Betriebe spürbar entlastet, sodass Nahrungsmittelproduktion und Landschaftspflege als Einheit verstanden werden.
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Hubert Schürmann
14.50 – 15.30 Uhr
Pause
15.30 – 15.50 Uhr
Unterhalt gehört zur Erstellung – Investitionen mit Folgekosten
Kerstin Schollenbruch, Amt für Wald und Landschaft, Kanton Obwalden
Ersatz- und Aufwertungsmassnahmen enden nicht mit dem letzten Spatenstich. Erst die langfristige Pflege sichert ökologische Ziele. Was passiert, wenn Unterhalt und Pflege bei der Planung vergessen gehen? Welche Folgen haben fehlende Ressourcen für Biotope? Der Vortrag zeigt am Beispiel angelegter Amphibienweiher in der Schutzzone Wichelsee, weshalb die Pflege von Anfang an Teil jeder Projektplanung sein muss – fachlich, organisatorisch und finanziell. Dabei wird aufgezeigt, wie die Vernachlässigung des Unterhalts zum vollständigen Funktionsverlust der Anlagen führen kann und welche Kosten dadurch nachträglich entstehen. Im Fokus steht die Frage, wie sich ökologische Aufwertungen so gestalten lassen, dass sie mit vertretbarem Aufwand langfristig funktionsfähig bleiben und ihre Wirkung für die Natur entfalten können.
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Andreas Meyer/wechselwarm.ch
15.50 – 16.10 Uhr
Praktischer Naturschutz als Alltag
Marianne Baruffa, Pro Natura Luzern
Viele kennen Arbeitseinsätze in Naturschutzgebieten. Doch die wenigsten kennen den immensen, regelmässigen Aufwand dahinter. Dieses Referat gibt einen Einblick in den Alltag des kantonalen Reservatspflege-Teams. Marianne Baruffa zeigt die Herausforderungen auf, mit den vorhandenen Ressourcen den Zielen und Arten gerecht zu werden. Der Fokus liegt auf der täglichen Arbeit des Teams, das im Auftrag des Kantons etliche Naturschutzgebiete pflegt, vor allem grosse Feuchtgebiete im Luzerner Mittelland. Der Vortrag beleuchtet einen Alltag im Strudel von Wetterextremen, Unvorhersehbarem und technischen Hürden. Es ist ein Einblick in eine berufliche Nische, die Fachwissen, Idealismus und handwerkliches Geschick vereint, um die kantonalen Schutzziele in der Praxis umzusetzen.
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Marianne Baruffa
16.10 – 16.30 Uhr
Was wird aus meinem Pionierstandort?
Beat Haller, Baustoff Kreislauf Schweiz
Flussregenpfeifer, Blauflüglige Sandschrecken und Rosmarinblättriges Weidenröschen haben eines gemeinsam: Sie brauchen mindestens für einen Teil ihres Lebenszyklus Pionierstandorte.
Mit dem Pick-up, dem Lastwagen oder dem Dumper werden Kies-, Sand- oder Steinmischungen geliefert und eingebaut. Wird die Fläche nun gewalzt oder strukturreich mit Steinen und Holz möbliert? Soll sie eingesät werden, und ist es dann noch eine Pionierfläche? Was wächst da – Weiden oder vielleicht eine invasive Goldrute? Die Fragen sind zahlreich: Hilft beim Unterhalt der Bagger, der Grubber oder die Handarbeit? Und was ist in 10 Jahren? Jeder Pionierstandort entwickelt eine eigene Dynamik, abhängig von Umgebung, Ausgangsmaterial und unzähligen weiteren Faktoren. Das Referat beleuchtet die entscheidenden Weichenstellungen bei der Anlage und der Pflege von Pionierflächen aus der Praxis.
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Beat Haller
16.30 – 16.50 Uhr
Pflege und Unterhalt von Naturvorranggebieten im Kanton Luzern
Peter Kull, Dienststelle Landwirtschaft und Wald (lawa), Kanton Luzern
Dieses Referat bietet einen Werkstattbericht über ein Vierteljahrhundert Naturförderung im Kanton Luzern. Aus der organisatorischen Sicht des Kantons wird der Fächer aufgespannt, um die enorme thematische Breite von Pflege und Unterhalt aufzuzeigen. Von welchen Flächen sprechen wir genau, von Riedgebieten über Trockenwiesen bis zu Amphibienlaichgebieten? Wer sind die zentralen Akteure – von Landwirt:innen über Zivildienstleistende und Freiwillige bis zu spezialisierten Unternehmen? Und welchen Herausforderungen müssen wir uns stellen, von der langfristigen Finanzierung über die Koordination der zahlreichen Partner bis hin zu den Auswirkungen des Klimawandels? Der Beitrag gibt einen umfassenden Überblick über die vielfältigen Facetten der praktischen Naturschutzarbeit im Kanton.
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Stefan Bachmann
16.50 – 17.00 Uhr
Fazit und Abschluss der Tagung
Philipp Christen, Albert Koechlin Stiftung
ab 17.00 Uhr
Apéro