Revitalisierung Pfaffnere
Projektidee
Ursprünglich verlief die Pfaffnere in einem breit verästelten Gewässernetz. Zwischen 1884 und 1982 wurden die Seitenarme zur Landgewinnung aufgehoben, der Hauptstrom stark begradigt und die Ufer verbaut. Dies führte zu einem monotonen Gewässer. Auf Initiative der Pächterin, welche entlang von etwa 650 m der Pfaffnern beidseitig das Ufer bewirtschaftet, startete die «Aktion Biber & Co.» Zentralschweiz die Projektierung einer Revitalisierung. Ziel ist es, einen Bachabschnitt in naturnahem Zustand mit variablem Gewässerverlauf zu fördern und ganz gezielt den ansässigen Biber miteinzubeziehen. Für die Planung des Bauprojekts wurde das Ingenieurbüro Basler & Hofmann beigezogen.
Über die Beweggründe der Pächterin und ihrem landwirtschaftlichen Berater, erschien im Willisauer Bote im Mai 2026 ein ausführlicher Bericht.
Massnahmen zur Förderung der Lebensraum- und Artenvielfalt
Die Pfaffnere soll verschiedene Breiten und Tiefen aufweisen, ebenso flache und steile Ufer. Dadurch entstehen Bereiche mit starker und solche mit schwacher Strömung. Dazu werden auf einem 650 m langen Bachabschnitt alle Uferverbauungen entfernt. Auf 500 m wird danach die Ausgestaltung ganz der Dynamik von Wasser und dem dort ansässigen Biber überlassen. Weil man auf dieser Strecke auf die maschinelle Ausgestaltung durch Menschenhand verzichtet, spart man pro Meter mindestens 2'000 Fr. Baukosten.
Das Bachbett darf sich - dank erweiterten Gewässerräumen - auf dieser Strecke über die Zeit im Verlauf und der Gestalt verändern. Dies ist heute in der Kulturlandschaft nur selten möglich, ist aber für viele gewässerbewohnende Arten sehr wertvoll. Denn es entspricht dem natürlichen Charakter eines Fliessgewässers. Welche Arten sich an dem Bachabschnitt ansiedeln, wird eine begleitende Wirkungskontrolle aufzeigen.
Wasserrückhalt
Zur Revitalisierung gehört auch die Öffnung von zwei Bächen, die bisher in Rohren der Pfaffnere zugeführt wurden. In einem der Bäche werden Holzstrukturen eingebaut, welche die Wirkung von Biberdämmen nachahmen sollen, um so den Wasserrückhalt zu fördern. Der zweite Zufluss entlang der Strecke, soll in einer Muldenlage grösstenteils versickern und zur Förderung einer ufernahen Feuchtwiese beitragen. Der Wasserrückhalt hilft auch künftigen Hitze- und Trockenperioden lokal entgegenzuwirken.
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Projektperimeter
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- Projektperimeter. Illustration: Basler & Hofmann
Projektorganisation und Finanzierung
Die Bauherrschaft liegt beim Kanton Luzern. Die «Aktion Biber & Co.» Zentralschweiz leitet das Projekt in Eigenleistung mit Unterstützung des Kantons Luzern. Die Ingenieurleistungen, die baulichen Massnahmen und die Wirkungskontrolle werden über die Dienststelle Verkehr und Infrastruktur (vif) des Kantons Luzern und den Bund finanziert.
Aktuelle News von der Baustelle
Laufend informieren wir auf dieser Seite über den aktuellen Projektstand. Interessierte erhalten Einblick in die Umsetzung.
Lagebericht vom 22. April 2026
Dank dem sonnigen und trocknen Wetter sind die Bauarbeiten an der Pfaffnern schon im vollen Gange. Vor zwei Tagen hat der Unternehmer Gränicher AG aus Huttwil begonnen die Installationsplätze und Baupisten zu erstellen. Heute wurden die ersten Flächen auf den Ackerflächen – dort wo eine Bodenverbesserung stattfinden soll – abhumusiert. Da wir zwei Bachöffnungen von heute unterirdisch geführten Zuflüssen planen und diese unter einem Boden mit Fruchtfolgequalität liegen, müssen wir diese Flächen nämlich kompensieren. Zum Glück gibt es auf den angrenzenden Ackerflächen Stellen, wo das mit einer Bodenverbesserung möglich ist und so war das Projekt bewilligungsfähig. Mit den Erdarbeiten möchte man möglichst vorwärts machen, solange das Wetter gut ist. Kommt eine Regenphase, kann das dazu führen, dass die Bauarbeiten stillgelegt werden müssen, bis der Boden wieder genügend trocken und tragfähig ist. Für diese Einschätzung gibt es auf der Baustelle eine Bodenkundliche Baubegleitung.
Auch der Biber ist hochaktiv. Es gibt Spuren von zwei neuen Bauten und an den vielen Ausstiegen gräbt er ins Ufer, so dass das Wasser dort eine Angriffsstelle findet. Genau das wollen wir für die eigendynamische Entwicklung des Gewässers! Und was uns heute sehr überrascht hat: Er hat einen Damm gebaut! Dies ist das erste Mal in der fünfjährigen Planungsphase und erst noch genau dann, wenn wir mit den Bauarbeiten starten. Für den Eingriff an dem Gewässer heisst es nun noch mehr: Rücksicht nehmen auf seine Bauten und möglichst störungsfrei arbeiten.
Lagebericht vom 7. Mai 2026
Das Wetter war uns in den letzten zwei Wochen sehr gnädig. Dank den trockenen Verhältnissen konnten die Arbeiten an der Pfaffnern vorangetrieben werden, so dass wir mit den Bodenarbeiten aktuell etwas schneller sind als geplant. Heute wurde im Bereich des heute eingedolten Ödenwilerbächlis mit der Aussteckung des zukünftigen Verlaufs und dem Abtrag der Grasschicht begonnen. Ufernah entsteht dort eine leichte Geländemulde, welche das Wasser zurückhalten soll und wo künftig Arten der Feuchtwiese gedeihen werden. Das Ödenwilerbächli wird zuerst in einem leichten Gefälle in einem mäandrierenden Gerinne geführt. Ab der Hälfte der Strecke wird das Gefälle auf 0 gesetzt, so dass das Wasser versickern kann. Mit diesen Massnahmen erhoffen wir uns einen maximalen Wasserrückhalt. Für die Wiederbegrünung wird unter anderem die an einer anderen Stelle an der Pfaffnern bereits abgetragene Ufervegetation wiederverwendet. Dort wo das Ödenwilerbächli und die Feuchtfläche an die Pfaffnern anschliessen, werden nun auch schon die ersten Uferverbauungen der Pfaffnern entfernt.
Damit der Biber – welcher an diesem Uferabschnitt speziell aktiv ist – möglichst nicht gestört wird, haben wir vorgängig alle Baueingänge erfasst. Dafür tastet man vom Gewässer aus die Ufer mit einem Stock nach Höhlen ab. Die Eingänge haben wir dann mit kleinen Stecken versperrt, so dass der Biber diese – falls er die Bauten aktiv nutzt – entfernen muss. So war ersichtlich, welche Bauten wir schützen müssen und wo entsprechend auf die Entfernung der Uferbauten verzichtet wird. In diesen Bereichen haben wir auch das Ufer grossräumig abgesperrt, damit keine Maschinen darüberfahren. Auch im Bereich des Biberdammes wird auf die Entfernung der Uferverbauungen verzichtet. Diese können eventuell zu einem späteren Zeitpunkt - wenn der Biber sein Aktivitätszentrum verschiebt - noch entfernt werden. Der Biber arbeitet inzwischen mit uns um die Wette. Täglich (oder besser nächtlich) verstärkt er seinen Damm mit frischen Ästen, Schlamm und Steinen. Fast als wolle er uns beweisen, dass er schneller und besser ist, was den Wasserbau betrifft.
Lagebericht vom 20. Mai 2026
Das Ödenwilerbächli läuft mittlerweile in seinem Gerinne und flutet die ufernahe Feuchtmulde. Ein Riesenkompliment an den Unternehmer, der dies mit höchster Sorgfalt, hervorragender Maschinenarbeit und einem guten Augenmass ausgeführt hat. Das Ergebnis macht extrem Freude!
Aktuell werden nun die Uferverbauungen entfernt. Bis zu 4 Tonnen schwere Steinbrocken werden ausgebaut und auf Lastwagen abtransportiert. Dass in diesem Bach in den 60er Jahren solche Kaliber verbaut wurden – damit haben wir nicht gerechnet. Erst durch den Einsatz der Baggerschaufel kam dieses Ausmass zum Vorschein. Nicht überall werden die Verbauungen entfernt. Bei den Brücken, unter den bestehenden Ufergehölzen und im Umkreis der Biberbauten bleiben die Steine zum Schutz dieser Infrastruktur bestehen.
Im übrigen Bereich nimmt der Bach nach der Entfernung sofort einen neuen Charakter an. Die Ufer werden dabei nicht modelliert. Das soll über die Zeit durch das Wasser und den Biber eigendynamisch geschehen.
Auf einer der installierten Wildkameras konnten wir heute nachweisen, dass mindestens zwei Biber im Revier sind. Das heisst, es könnten aktuell auch Jungtiere im Bau sein. Gegen Ende Juni könnten diese aus dem Bau kommen. Bis dahin sind wir im unteren Abschnitt mit den Bauarbeiten fertig und sie können störungsfrei die Umgebung erkunden und mit ihrem Teil der Arbeit beginnen.
Lagebericht vom 9. Juni 2026
Die Bauarbeiten schreiten mit hoher Geschwindigkeit voran! Inzwischen sind die Arbeiten am Gewässer im unteren Abschnitt bis zur Kantonsgrenze abgeschlossen. Alle Uferverbauungen sind entfernt und das Ödenwilerbächli fliesst in eine ufernahe Schwemmfläche. Die Ufer dieser Flächen sind bereits mit autochthonem Uferhochstauden-Saatgut von HoloSem angesät. Die ersten Libellen kurven schon herum (v.a. Plattbauch) und verschiedene Fussabdrücke zeugen von regem Besuch von Enten und Säugetieren. Der Biberdamm ist inzwischen in die Höhe gewachsen und hat auch schon den ersten Regenfällen standgehalten. Das kommt uns sehr gelegen. In der ersten Zeit wird das Ufer der Pfaffnern nämlich noch stark erodieren. Im Aufstaubereich des Biberdamms werden die erodierten Sedimente zurückgehalten, lagern sich ab und führen so zu einem Anstieg der Sohle. Durch den Anstieg der Sohle kommt das Wasser wieder mit der Uferzone in Verbindung und ermöglicht so den Wasserrückhalt. Der Biber nimmt seine Aufgabe seit Beginn der Baustelle ernst und hilft tatkräftig mit! Neue Filme aus dem Bereich des Dammes zeigen auf, dass es sich bereits um eine Biberfamilie handelt, also schon Jungtiere von letztem Jahr da sind!
Gestern wurde nun der obere Abschnitt der Pfaffnern von rund 150 m – welcher maschinell revitalisiert wird – abgefischt. Gleichzeitig wurde die Biometrie der Fische durch das Team von fisch bureau GmbH erfasst, um später einen Vergleich zu vor den umgesetzten Massnahmen machen zu können. Der Bachabschnitt hat erstaunlicherweise schon heute vielen jungen Bachforellen Lebensraum geboten. Wir hoffen, dass durch die Revitalisierung noch mehr Lebensraum für grössere Forellen entsteht.
Weiterführende Informationen
Kontakt
Miriam Peretti, Projektleiterin Pro Natura Luzern