Baldeggersee - Foto: Peter Wyss

Am Baldeggersee wird gefischt und geangelt

19.10.2022

Als Naturschutzorganisation und Eigentümer hat Pro Natura Luzern eine besondere Verantwortung für den ungeschmälerten Erhalt und den Schutz der Lebensräume des Baldeggersees. Uns interessiert ganz besonders auch die vielfältige Nutzung des Schutzgebiets. Wir haben mit zwei Gebietskennern und Nutzern des Sees gesprochen. Andreas Hofer fischt beruflich am Sempacher- und Baldeggersee. Mäsi Bühler ist Präsident des Sportfischervereins Baldeggersee und begeisterter Hobbyangler. Beide blicken mit gemischten Gefühlen der Zukunft des Baldeggersees entgegen.

Beitrag aus der Mitgliederzeitschrift Lokal 2-2022

Interview mit Andreas Hofer, Fischwirtschaftsmeister

Andreas Hofer

Fischwirtschaftsmeister Andreas Hofer fischt zusammen mit seinem Bruder Thomas seit 13 Jahren auf dem Sempacher- und Baldeggersee. Schon sein Grossvater pachtete den Baldeggersee von Pro Natura. Seit 2016 engagiert er sich im Vorstand von Pro Natura Luzern.

Pro Natura Luzern: Seit wann fischt die Familie Hofer am Baldeggersee?

Andreas Hofer: Der ehemalige Eigentümer des Baldeggersees und Berufsfischer Stirnimann verkaufte in den 1940er Jahren den See an Pro Natura. Die Berufsfischerei gab er auf. Unser Grossvater Gottfried Hofer pachtete 1948 von Pro Natura den Baldeggersee und fischte fortan mit seinen drei Söhnen am Sempacher- und Baldeggersee. Nach dem Tod von Gottfried Hofer (1964) übernahm sein Sohn Alois Hofer die Fischereipacht am Baldeggersee und baute in Gelfingen eine Fischerei mit Fischaufzucht auf. Nach dem Tod von Alois Hofer (2009) übernahmen mein Bruder und ich die Pacht und bewirtschaften seither beide Seen. Die Familie Hofer hat eine über 500-jährige Tradition, in der das Fischerhandwerk immer wieder an die nächste Generation weitergegeben wird.

Wie verträgt sich Naturschutz und Fischerei?

Unsere Seen werden, seit Menschen an unseren Gewässern leben, fischereilich genutzt. Die Fischerei ist ein sehr altes Handwerk. Sie lebte Nachhaltigkeit, bevor dieses Wort vor 100 Jahren kreiert wurde. Heute werden mehr als 50 % der Süsswasser- und Meeresfische, die auf den Markt kommen, in Indoor-Anlagen oder in Teichwirtschaft herangezogen. Nachhaltig ist dies aber nicht. Für ein Kilogramm Lachs braucht es je nach Quelle 1 bis 4 Kilogramm Fische, die zu Fischfutter verarbeitet werden. Als Berufsfischer sehen wir uns als Teil des Ökosystems und damit als Mitbewerber um Nahrung, zusammen mit allen anderen fischfressenden Tieren wie z.B. Gänsesäger, Kormoran oder Haubentaucher.

Wie wird der Baldeggersee bewirtschaftet?

Da der Baldeggersee, durch die Überdüngung, fast keinen Sauerstoff mehr im Tiefenwasser hat, können sich die Felchen nicht mehr natürlich fortpflanzen. Während der Laichzeit der Felchen entnehmen wir den gefangenen Fischen den Laich und erbrüten die Fischeier in unserem Betrieb in Oberkirch. Nach drei Monaten schlüpfen die ersten Felchen. 90 % der Felchen werden nach dem Schlüpfen im See ausgesetzt. Die restlichen 10 % füttern wir in Rundbassins und im Netzgehege bis zu drei Monate lang mit Plankton, welches wir im See mit feinmaschigen Netzen rausfiltern. Im Juni werden alle Tiere in die Seen entlassen. Anfangs Dezember beginnt der Zyklus von neuem. Es ist ein natürlicher Kreislauf, der mit Seewasser und natürlichem Futter aus dem See funktioniert.

Beschreib uns ein spezielles Erlebnis!

Wegen dem tiefen Wasserstand auf Grund der Trockenheit lag unser Fischerboot während vieler Wochen auf Seegrund auf und wir konnten nicht mehr rausfahren. Die Fische können aber den hohen Wassertemperaturen ausweichen, indem sie sich einfach tiefer im See aufhalten.

Was wünschst Du Dir für die Zukunft?

Der Baldeggersee ist mit einer Fläche von rund 5 Quadratkilometern ein Gewässer, das eine Existenz für eine Berufsfischerfamilie ermöglichen sollte. Durch die jahrzehntelange Überdüngung ist der See nach wie vor sehr krank. Jeden Frühling gibt es eine Algenblüte mit Burgunderblutalgen, wie ich es am Sempachersee schon lange nicht mehr sehe. Ich wünsch mir, dass der Baldeggersee künftig weniger stark belastet ist und dass sich das Ökosystem erholen kann.

Interview mit Mäsi Bühler, Präsident Sportfischerverein Baldeggersee

Mäsi Bühler

Mäsi Bühler ist seit 2016 Präsident des Sportfischervereins Baldeggersee. Er selbst angelt seit Kindesbeinen und verbringt viel Zeit an den Ufern des Baldeggersees – bei jedem Wetter, mal mit und mal ohne Angel. Ganz besonders bewundert er die grosse Naturvielfalt.

Pro Natura Luzern: Wie bist du zum Angeln gekommen?

Mäsi Bühler: Durch meinen Bruder. Beim ersten Mal war ich erst drei Jahre alt. Als ich acht oder neun Jahre alt war, bin ich dann selbst losgezogen.

Was fängt der Angler im Baldeggersee?

So viel vorweg: der Baldeggersee ist äusserst vielfältig. Es gibt viele schöne und kapitale Fische. Was man fängt, hängt natürlich davon ab, was man angeln will. Am meisten wird das Egli geangelt, insbesondere im Herbst. Im Frühling steht der Hecht hoch im Kurs und im Sommer hat es einzelne Karpfen- und Felchenangler.

Wie unterscheidet sich das Angeln am Baldeggersee vom Angeln an anderen Gewässern?

Es ist der einzige «grosse» See, der nicht mit Booten befahren werden darf und ein Teil des Ufers ist aus Naturschutzgründen gesperrt. Ich persönlich finde das sehr gut. Denn so ist der Befischungsdruck im Vergleich mit ähnlichen Gewässern niedriger und es gibt immer wieder auch kapitale Fische im Baldeggersee.

Der Baldeggersee leidet bekanntlich unter einer Nährstoffflut. Auch für die Fische zu viel des Guten?

Wie sauber muss denn ein Gewässer sein? Es ist uns allen bewusst, dass der Baldeggersee zurzeit noch zu hohe Nährstoffwerte hat, doch der befindet sich auf dem Weg zur Besserung. Auch sind Nährstoffe wichtig für ein gesundes Gleichgewicht. Die Auswirkung auf die Fische ist unterschiedlich. Mühe haben die Felchen. Sie können sich im Baldeggersee derzeit nicht auf natürliche Art fortpflanzen, da am Seegrund zu wenig Sauerstoff vorhanden ist. Für das Egli oder auch den Hecht spielt dies keine grosse Rolle. Die Nährstoffe liefern Nahrung für die Karpfenartigen, die sich deshalb gut vermehren. Davon profitieren Raubfische, die sich von diesen ernähren.

Die Klimaerwärmung schreitet ungebremst voran, die extremen Wetterereignisse häufen sich. Wie siehst du die Zukunft für Fische und andere Wasserlebewesen?

Die kälteliebenden Wasserlebewesen dürften zunehmend Schwierigkeiten bekommen, während sich andere Arten problemlos fortpflanzen. Das Problem betrifft weniger die Seen als vielmehr die Fliessgewässer. Da ist die Situation schon sehr prekär. Aber aktuell müssen wir einfach damit umgehen können, denn eine sofortige Umkehr ist wohl nicht mehr möglich. Schätzen und schützen wir, was wir heute noch haben. Wenn wir uns alle bemühen und jeder etwas beiträgt, können wir Schlimmeres verhindern.

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